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Europäische Zinssätze: auf Eis gelegt bis Sommer 2019

Draghi lässt die Tauben fliegen

Es gibt nur sehr wenige Zentralbankfiguren, die den Respekt des Finanzmarktes über lange Zeiträume aufrechterhalten können. Eine Ausnahme bildet jedoch Herr Draghi von der EZB.  Seit Draghi 2012 davor gewarnt hat, dass die EZB „alles tun würde, um die Euro-Implosion zu stoppen“, wird er nicht nur dafür gelobt, die europäische Währung zu retten, sondern auch dafür zu sorgen, dass die Finanzinstitute ausreichenden Zugang zu Kapital haben, um Runs auf Banken in den Peripherieländern zu stoppen. Damals führten diese Beschwichtigungen sowie die Q/E-Massnahmen zu einem starken Wertverlust des Euro in den folgenden 12 bis 18 Monaten und verabreichten den europäischen Exporteuren, Aktienmärkten und Banken eine starke Finanzspritze.

Draghi lässt die Marktteilnehmer auf Raten raten – und sendet dabei beruhigende Signale aus. Die Befürchtungen, dass das Anleihenkaufprogramm der EZB, welche die Zinssätze auf historischen Tiefständen hält, zu Ende geht, waren nicht unbegründet. Der Markt hatte völlig Recht: Die EZB hatte im Juni angekündigt, ihr Q/E-Programm bis Ende 2018 einzustellen.

Was der Markt jedoch nicht erwartet hatte, war, dass Draghi einen klaren Hinweis darauf gibt, die EZB-Zinsen bis zum Sommer 2019 auf dem bestehenden Niveau zu halten. Viele im Markt haben diese Aussage so verstanden, dass es bis mindestens September nächsten Jahres keinen Zinsanstieg geben wird, was von den meisten Investoren positiv bewertet wurde.

Der Schritt der EZB wird den Unternehmen und Verbrauchern natürlich Zeit geben, sich auf die möglichen kleinen Zinserhöhungen vorzubereiten. Darüber hinaus wird Herr Draghi im Oktober nächsten Jahres die Zügel der EZB an einen neuen Amtsinhaber übergeben. Viele schlagen eine kleine Zinserhöhung als „Abschiedsgeschenk“ vor. Dies erscheint plausibel, da es zeigen würde, dass sich die europäischen Finanzmärkte wieder normalisieren. Von grösserer Bedeutung für die Anleger ist jedoch, ob Draghis Nachfolger einen aggressiveren Ton bezüglich Zinsen und der Politik einschlagen wird.

Euroschwäche könnte die Kassen zum Klingen bringen

Die neuesten PMI-Zahlen (Purchasing Managers Index) für den Einzelhandel in der Eurozone zeigen einen Anstieg über die 50er Marke. Damit scheint es wahrscheinlich, dass Draghis letzte Kommentare zu den Zinsen den Euro niedrig halten werden und die Kassen klingeln lassen.

Ein schwacher Euro würde in Europa die Ausgaben asiatischer, insbesondere chinesischer Touristen für Luxusgüter ankurbeln, vor allem in den grossen Hotspots Frankreichs und der Schweiz.

Inflation im Euroraum im Aufwärtstrend

Es gibt natürlich mehrere positive Lebenszeichen in Europa, nicht zuletzt die Belebung der Inflation, die für jeden verschuldeten Verbraucher eine willkommene Erleichterung darstellt. Allerdings ist die Liste der Sorgen in Europa recht lang und wurde durch den jüngsten Erfolg der populistischen Partei in Italien nicht gerade kürzer. Populistische Vorstösse, die den Geldbeutel der Wähler durch höhere Staatsausgaben und -schulden füllen möchten sowie die anhaltende Unzufriedenheit über die hohe Jugendarbeitslosigkeit in mehreren europäischen Ländern führen zu einem gefährlichen Gemisch und sorgen in den meisten Wahllokalen für überhitzte Gemüter.

Italien stellt eine existenzielle Bedrohung für den Euro dar, sollten sich die Wähler dazu entschliessen, den Club zu verlassen. Doch im Moment stehen in Rom pragmatischere Stimmen im Vordergrund. Sie fordern Europa auf, seine Struktur und Prioritäten von innen heraus zu reformieren, anstatt das Projekt aufzugeben.  Wie könnte das in ganz Europa aussehen?  Wir vermuten eine Mischung aus angebotsseitigen Reformen kombiniert mit Forderungen nach einer leichten Lockerung der fiskalischen Zwangsjacken, um die Wähler bei Laune zu halten.

Anleihen und Aktien aus Schwellenländern

Bei den Emerging Market Debts (EMD) bleiben wir trotz der höheren Renditen im Vergleich zu europäischen und US-amerikanischen Anleihen lieber an der Seitenlinie. Ein potenziell höherer USD zusammen mit höheren Renditen könnte in der ersten volatilen Phase für die EMD- und Anleihemärkte insgesamt eine Herausforderung darstellen.

Natürlich muss man zwischen kurzer und langer Laufzeit sowie lokaler und harter Währung unterscheiden. Aber im Allgemeinen ist das absolute Niveau der Weltwirtschaft seit der grossen Finanzkrise 2007/08 auf einen neuen Höchststand gestiegen. In diesem für Anleiheninvestoren schwierigen Umfeld ziehen wir es vor, vorsichtig zu agieren, nicht nur für den Rest des Jahres 2018, sondern auch darüber hinaus.

Zurzeit glauben wir, dass institutionelle Investoren ein überfülltes Spielfeld im EMD-Markt geschaffen haben. Schon das allein kann auf die Kurse drücken, da diese Kategorie von Anlegern dazu neigt, gemeinsam zum Ausgang zu drängen- vor allem, wenn vergangene Zyklen als Orientierungshilfe dienen.

Die gute Nachricht ist, dass wir in Bezug auf Aktien der Schwellenländer optimistischer sind.  Wir raten den Anlegern, zwischen den Ländern mit den gesunden Bilanzen zu unterscheiden, und sind der Meinung, dass die Verschuldung der Unternehmen nicht zu hoch sein sollte. Darüber hinaus halten wir es für sinnvoll, auf die grossen Trends wie die jüngsten Entwicklungen in der alten und neuen Wirtschaft zu achten und die demografischen Veränderungen, die sich auf Wohlstand und Gesundheitsausgaben auswirken, zu berücksichtigen. Wenn wir Kapital mit Emerging Market Equity Managern anlegen, bevorzugen wir diejenigen mit langjähriger Erfahrung und haben eine Vorliebe für Investmenthäuser, die bereit sind, in überzeugende Portfolios zu investieren.

Geschrieben von:
Alan Kinnaird | Senior Portfolio Manager, Partner
Hakan Semiz | Partner

Quelle Bilder: Bloomberg

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