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Trust & Corporate Services: Protektoren von angelsächsischen Trusts: Altes Konzept mit einigen Fallstricken (Teil 1)  – swisspartners – The art of finance

Protektoren von angelsächsischen Trusts: Altes Konzept mit einigen Fallstricken (Teil 1)

Zusammenfassung: Protektoren von Trusts (und Stiftungen) sind oftmals Freunde oder langjährige Geschäftspartner des Trust-Settlors. Wir plädieren dafür, unabhängige und professionelle Protektoren einzusetzen.

Ausgangslage

Ein vermögender Unternehmer möchte sein Vermögen für seine über mehrere Länder verstreute Familie rechtlich und steuerlich möglichst optimal organisieren. Seine Berater empfehlen ihm, einen Trust nach angelsächsischem Recht* zu errichten und wesentliche Vermögensteile in diesen Trust zu transferieren. Der Unternehmer ist damit einverstanden. Da er aber die Trustgesellschaft, die ihm die Berater empfehlen, nicht kennt und nur selten treffen wird (sie haben ihren Sitz in Cayman Islands), legen die Berater ihm nahe, einen Protektor zu bestellen, der seine und die Interessen seiner Familie vertreten soll. Dies führt bei ihm zu folgenden Fragen:

Wer sind die Protektoren von Trusts?

Die Funktion des Protektors stellt keine regulierte Tätigkeit dar. Somit reicht das Spektrum möglicher Protektoren vom Schulfreund des Trust-Settlors über langjährige Geschäftsfreunde wie zum Beispiel Vermögensverwalter bis hin zu spezialisierten Unternehmen, die ausschliesslich und professionell als Protektoren agieren.

Die Entwicklung im Trustbereich geht eindeutig in Richtung Professionalisierung der Protektoren.

  • Familienfreunde und «Göttis» sind in Krisensituationen leicht überfordert und allenfalls fehlt es ihnen an Unparteilichkeit. Sie sind oft zu nahe am Geschehen.
  • Langjährige Geschäftsfreunde wie etwa Vermögensverwalter oder Bankbetreuer sollen einerseits die Interessen der Begünstigten im Auge haben, sind andererseits aber pekuniär an den Vermögenswerten des Trusts interessiert. Einige Banken untersagen daher ihren Mitarbeitern die Annahme solcher Mandate.
  • Treuhandfirmen oder spezialisierte Beratungsunternehmen vermeiden die Schwächen der vorher genannten Personen und bieten einen unabhängigen, professionellen Service. Allerdings fehlt ihnen unter Umständen die Nähe und Verbundenheit zum Settlor und zur Familie. Und sie kosten Geld, da sie sich die Protektorenfunktion mit einem Fixhonorar und Stundenhonoraren vergüten lassen.
  • Bei sehr grossen Vermögen wird bisweilen ein Protektorenrat eingesetzt, der sich aus familiennahen Mitgliedern und professionellen Treuhändern zusammensetzt.

Was ist überhaupt ein Protektor und welche Befugnisse hat er?

Eine rechtlich verbindliche Definition des Protektors gibt es nicht. Die Funktion lässt sich am ehesten wie folgt zusammenfassen: ein Protektor ist kein Trustee, sondern ein «Watchdog», der den Trustee und seine Arbeit kontrolliert.

Der Protektor als Watchdog

Seine Aufgaben müssen im Trust Deed abschliessend definiert sein. Die Aufgaben des Protektors umfassen in den heute üblichen Trust Deeds zumindest die dispositive Entscheidungskompetenz, den Trustee abzusetzen und einen neuen zu wählen. Zusätzlich haben Protektoren häufig Veto-Rechte über Beschlüsse des Trustees. Diese Vetorechte umfassen meist:

  • Ausschluss und Zuwahl von Begünstigten
  • Ausschüttungen an Begünstigte
  • Investmentstrategien
  • Vergabe von Darlehen
  • Änderungen des Trust Deed
  • Änderungen des relevanten Rechts, etc.

Die Liste kann beliebig verkürzt oder verlängert werden und erweitert oder beschneidet entsprechend die autonome Entscheidungsvollmacht des Trustees.

Für wen arbeitet der Protektor, für den Settlor?

Beim Aufsetzen eines Trusts bestimmt der Settlor, wer der erste Protektor sein soll, also der Schulfreund, der Anwalt, der Profi. Mit der Berufung des Protektors endet im Prinzip die aktive Beziehung zwischen dem Settlor und dem Protektor. Dies ist wichtig zu verstehen: der Protektor ist niemals ein Repräsentant des Settlors, sondern er ist ausschliesslich dem Wohle der Begünstigten verpflichtet. Das mag etwas befremdlich sein, aber insbesondere bei discretionary irrevocable trusts (bei denen der Settlor seine Rechte am Trustvermögen unwiderruflich an den Trustee überträgt) darf der Protektor nicht die Marionette des Settlors ein, da dies den Trust allenfalls ungültig machen könnte! 

Im zweiten Teil, der in der kommenden Ausgabe im November der partners view veröffentlicht wird, geht es dann darum, in welchen Fällen ein Protektor aktiv wird, welche grundsätzlichen Fallstricke es gibt und wie Protektoren im Automatischen Informationsaustauch («AIA») erfasst werden.

* Der Einfachheit halber beziehen wir uns im Folgenden auf discretionary irrevocable trusts (bei denen der Settlor seine Rechte am Trustvermögen unwiderruflich an den Trustee überträgt). Andere Arten von Trusts unterliegen jedoch ähnlichen Problemen.

Geschrieben von:
Christian Rockstroh | Partner

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