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Interview mit Mathias Ruch – swisspartners – The art of finance

WIR STEHEN AM ANFANG EINER GROSSEN ENT­WICKLUNG

Das Interview mit Mathias Ruch führte Kathrin Meister.

Herr Ruch, welche Möglichkeiten eröffnen Digitalisierung und Blockchain-Technologie privaten Investoren?

Grundsätzlich profitiert der gesamte Technologiesektor von einem Digitalisierungsschub, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat. Das zieht sich durch alle Ebenen – von der Bundesverwaltung in der Schweiz über Startups bis zu den KMUs.

Man hat in der Vergangenheit gesehen, dass in den öffentlichen Märkten gelistete Technologie-Titel sehr stark von dieser Entwicklung profitiert haben – gerade in den USA. Weil in diesem Tech-Umfeld nach Alternativen gesucht wird, glauben wir an eine Ausrichtung hin zu privaten Märkten. In Bezug auf spezialisierte Technologie-Investments wie Blockchain bieten sich institutionellen wie auch privaten Investoren verschiedene Möglichkeiten.

Die naheliegendste Variante sind gelistete Companies. Ich kann zum Beispiel in IBM investieren und habe dann auch irgendwo ein bisschen Blockchain dabei. Als weitere Variante kann ich über einen Venture Capital Fond gehen. Diese Fonds sind allerdings oftmals nicht leicht zugänglich und auch nicht unbedingt auf Blockchain spezialisiert, sondern breiter aufgestellt. Wer sich gut auskennt, kann auch direkt in Startups investieren. Oder man investiert als Privatperson in Krypto­währungen. Ich glaube, Bitcoin bleibt wichtig; wir haben über die Jahre gesehen, dass es funktioniert. Allerdings steht die Kryptowährung auch immer mal wieder in der Kritik – zum Beispiel, weil diese erste Generation der Blockchain-Technologie recht energieintensiv ist.

Was sind Alternativen zu Bitcoin?

Wenn ich von Alternativen zu Bitcoin spreche, dann meine ich damit nicht unbedingt alternative Kryptowährungen, sondern Produkte, wie wir sie heute noch gar nicht kennen.

Trendthemen sind zum Beispiel Decentralized Finance (DeFi) oder Investitionen in den Kunstmarkt mit NFT Tokens (non-fungible Tokens). Mithilfe der NFT-Technologie auf Blockchain-Basis erzielten digitale Kunstwerke in letzter Zeit Rekordpreise. Für Bilder oder in einem Fall für den ersten Tweet der Geschichte werden teilweise Millionensummen geboten, in Kryptowährung natürlich. Das sind re­gel­rechte Hypes, die Aufmerksamkeit schaffen und über die sich potenzielle Investoren gerade verstärkt informieren.

Es geht aber nicht nur um die Digitalisierung der Prozesse, sondern um völlig neuartige Produkte und Services, richtig?

Ja. Wenn wir uns von bisherigen Infrastrukturen komplett lösen und neue nutzen, können wir in einem Token auch Zahlungsströme abbilden oder automatisiert Zinsen auszahlen. Wir können Produkte so ausgestalten, dass zum Beispiel nur dann, wenn Bedingung A und Bedingung B zutreffen, ein bestimmtes Ereignis ausgelöst wird. Das sind Themen, bei denen man noch gar nicht genau abschätzen kann, in welche Richtung sie sich entwickeln. Natürlich ist so eine initiale Phase auch immer mit Risiken verbunden – so wie der ganze DeFi-Space, der im Moment stark im Fokus ist. Das zeigt: Wir stehen am Anfang einer grossen Entwicklung.

Wo sehen Sie den grössten Trend für Privatinvestoren?

Ganz klar in den digitalen Vermögenswerten – sowohl aus Investoren- als auch aus Branchensicht. Blockchain-Technologie und Digitalisierung ermöglichen es nicht nur, die Infrastruktur zu modernisieren, sondern völlig neue Produkte zu lancieren. In der Schweiz wird ab Sommer die neue regulatorische Gesetzgebung vollständig realisiert sein. Damit ist dann die weltweit einmalige Voraussetzung geschaffen, dass sich innovative Produkte auch im institutionellen Markt durchsetzen können. Das ist aus meiner Sicht das ganz grosse Thema in den kommenden Jahren.

Ein Blick in die Zukunft zeigt einen weiteren Aspekt der Digitalisierung, denn auch die Effizienz eines Anlageprodukts kann gesteigert werden: Dank einer bestätigten digitalen Identität kann ich Investitionen von der Zeichnung bis hin zur Bezahlung komplett digital abwickeln. Beim Handel von Aktien zum Beispiel kann das Settlement einige Tage in Anspruch nehmen. Nutzt man hierzu die Blockchain-Technologie, fällt der eigentliche Tausch mit dem Settlement zusammen, da es ein und derselbe Prozess ist.

 

„Blockchain-Technologie und Digitalisierung er­möglichen es, völlig neue Produkte zu lancieren.”

Wann und wie haben Sie Ihre Faszination für das Thema Blockchain-Technologie entdeckt?

Ich bin kein Early-Bitcoin-Mensch, der 2009 schon Bitcoins gekauft hätte – leider (lacht). 2015 hatte ich den stark wachsenden Crowdfunding-Markt analysiert. Im Rahmen der Analyse sind wir 2016 auf den ersten grossen Fundraising Event via Blockchain aufmerksam geworden: „The DAO“ hatte innerhalb weniger Wochen über 150 Millionen US$ in Kryptowährungen geraist. Da wollte ich natürlich genau wissen, wie das funktioniert und habe mich tiefergehend mit der Blockchain-Technologie beschäftigt.

Und dann habe ich das Glück, in der Schweiz zu leben: Eines Tages habe ich festgestellt, dass das Silicon Valley umgezogen ist, jetzt Crypto Valley heisst und direkt vor meiner Haustür liegt (lacht). Wir hatten schon damals unsere Firmen in Zug und von Anfang an einen Bezug zu diesem Ökosystem. Wir haben gedacht: Da entsteht etwas Grosses und wir möchten Teil dessen sein.

Wie digital ist Ihr Alltag, Herr Ruch?

Das ist ein zweischneidiges Thema. In einigen Bereichen ist er mir noch zu wenig digital, in anderen schon zu sehr. Für meine Kinder, vier und sechs Jahre alt, ist es normal, dass der Papa viel am Smartphone oder Laptop ist. Natürlich schauen sie sich das bei mir ab. Diese Geräte haben eine starke Anziehungskraft, die man gut managen muss – das ist die Herausforderung, die ich als Vater empfinde.

Ich selbst würde mich als sehr digitalen Menschen bezeichnen. Digitale Innovationen probiere ich immer sofort aus. Was ich gut finde, behalte ich bei. Zum Beispiel kaufe ich seit über zehn Jahren Lebensmittel online ein. Als im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 die Online-Anbieter von Lebensmitteln in der Schweiz innerhalb kürzester Zeit nicht mehr verfügbar waren, musste ich wieder analog einkaufen gehen. Wenn man dann beim Bäcker feststellt, dass man kein Bargeld mehr hat, kann es schon schwierig werden. Das hat mir nochmal gezeigt, dass ich sehr digital unterwegs bin.

Was machen Sie als Ausgleich im analogen Leben?

Ich versuche, die nicht-digitale Seite bewusster zu leben. Die Natur ist ganz wichtig für mich als Ausgleich zum digitalen Leben. Ausserdem koche ich leidenschaftlich gerne. Ich koche ohne Rezept – aus dem Herzen und aus dem Kopf. Und ich treibe viel Sport, das geniesse ich sehr. Beim Sport messe ich meine Performance allerdings wieder mit digitalen Gadgets. Insofern merke ich gerade, dass mein Leben definitiv sehr stark vom Thema Digitalisierung geprägt ist.

 

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