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BREXIT, nicht WEXIT – swisspartners – The art of finance

BREXIT, nicht WEXIT

Nur England will die EU verlassen, nicht die ganze Welt.
Die Marktturbulenzen waren übertrieben.
Wir setzen auf europäische Blue-Chips.

Der Entscheid Grossbritanniens, die Europäische Union zu verlassen (Brexit), führte an den Finanzmärkten kurzfristig zu heftigen Turbulenzen. Doch angesichts der Tatsache, dass Artikel 50 des Lissabon-Vertrags noch nicht ausgelöst wurde (und dies vielleicht erst nächstes Jahr passieren wird), sehen wir keinen Grund, sich unnötig Sorgen zu machen, dass die Weltwirtschaft ihren Wachstumspfad verlassen könnte (Wexit). Fakt ist, dass sich zumindest rechtlich nicht viel geändert hat: Grossbritannien ist nach wie vor ein Mitglied der EU. Bevor Artikel 50 ausgelöst wird, muss ein Brexit zuerst im britischen Unter- und Oberhaus debattiert werden. Dabei besteht sogar die Möglichkeit, dass der Referendumsentscheid gekippt wird, falls beide Kammern des britischen Parlaments zustimmen. Also, erst wenn Artikel 50 aktiviert wird, macht es Sinn, alle möglichen wirtschaftlichen Implikationen zu analysieren.

Dann dürfte Grossbritannien höchstwahrscheinlich am stärksten betroffen sein. Ein erstes Vorzeichen dazu sind die Währungsadjustierungen bzw. die Abschwächung des britischen Pfundes. Diese Anpassungsphase dürfte noch anhalten, da womöglich Zinssenkungen sowie expansive Massnahmen der britischen Zentralbank nötig sind, um den Einfluss steigender Preise für Güter und Dienstleistungen abzufedern und um mit neu eingeführten Handelszöllen in Zukunft klarzukommen. Das Doppeldefizit Grossbritanniens dürfte die Situation zusätzlich erschweren.

Europa wird in geringerem Masse vom Brexit betroffen sein. Dennoch dürfte sich das Wirtschaftswachstum über die nächsten 18 Monate auf 0,3 bis 0,5% abschwächen. Immerhin bleibt es positiv. Deutschland ist vor allem wegen der hohen Autoexporte nach England exponiert. Die US-Wirtschaft hingegen wird kaum etwas zu befürchten haben. Man sollte allerdings ein Auge auf die US-Banken haben: Sie sind weit stärker mit der britischen Bankindustrie verwoben als Europas Banken.

BREXIT für jeden Geschmack

Niemand vermochte bislang zu erklären, was Brexit im Detail wirklich bedeutet. Man könnte drei Geschmacksrichtungen testen: Brexit light, medium oder fat. Light bedeutet, dass nach wie vor ein zollfreier oder zumindest zollermässigter Handel mit der EU möglich ist. Medium wäre für die UK etwas weniger vorteilhat und fat würde bedeuten, dass England im Verkehr mit der EU auf die Handelsbedingungen der Welthandelsorganisation WTO zurückgreifen muss.

Europäische Aktien zu Ausverkaufspreisen

Wir denken, dass die ersten Turbulenzen nach dem britischen Referendum zu extrem ausfielen. Deshalb erhöhten wir das Aktienengagement um 3% bei konservativen, um 5% bei ausgeglichenen und um 7% bei dynamischen Mandaten. Dabei fokussierten wir uns auf europäische Blue-Chips mit globaler Geschäftstätigkeit. Zu diesem Zeitpunkt erachten wir die europäischen Aktienmärkte im Vergleich zur USA als deutlich unterbewertet. Der Bewertungsunterschied hat ein Niveau erreicht, welches extrem ist und nicht nachhaltig.

Grafik DeutschDas Wirtschaftswachstum in Europa dürfte wahrscheinlich gegenüber den USA aufholen. Zumindest dürfte sich die Wachstumsdifferenz verringern. Die Gewinnschätzungen für europäische Unternehmen sind momentan auf einem Sieben-Jahres-Tiefst. Nach dem britischen Referendumsentscheid sind die Marktstrategen äusserst pessimistisch: Nachdem sie Ante Brexit dem europäischen Aktienindex Eurostoxx 50 über zehn Monate einen 10%igen Gewinn vorausgesagt haben, gehen sie Post Brexit von einem 10%igen Verlust aus.

Seit 22 Monaten sehen wir Netto-Abflüsse bei europäischen Aktienfonds, die stärksten Abflüsse seit 2008. Jedermann scheint auf den nächsten Dominostein zu warten, der zu Fall kommt. Dies wird jedoch unserer Meinung nach nicht passieren. Die US-Wirtschaft wird voraussichtlich weiterhin im Stop-and-Go-Modus verharren, und wir erwarten, dass die US-Aktien weiterhin zufriedenstellend performen. Die aufkommende Gewinnberichtssaison hat die Leiste so tief gesetzt, dass es den Unternehmen schwierig fallen dürfte, die tiefen Erwartungen nicht zu schlagen. Im Grunde genommen kaufen wir heute grossartige Assets zu Ausverkaufspreisen.

Wann fällt das Manna vom Himmel?

Seit dem überwältigenden Sieg von Abe in Japan wird viel über Helikoptergeld gesprochen, Geld also, welches die Zentralbank druckt und dem Mann auf der Strasse gibt oder der Regierung. Angesichts der langen Zeit, in der in Japan Flaute herrscht, sind drastische Massnahmen gefragt. Also ultraleichtes Geld. Wir erwarten, dass die Bank of Japan monetäre Stimuli in Kombination mit fiskalen Stimuli von der Regierung dem Land verabreichen wird. Letzteres in Form von Steuererleichterungen und Infrastrukturprojekten.

Dies wäre der erste Schritt in Richtung Helikoptergeld. Andere Zentralbanken würden das mit grossem Interesse beobachten. Falls das Experiment Erfolg hat, würde Europas Zentralbank und danach das US-Fed folgen. An dieser Stelle erwähnenswert ist, dass die USA seit der globalen Depression der Wirtschaft monetäre Stimuli in der Grössenordnung von fast 5 Billionen Dollar verabreicht hat. Dies resultierte in einem Wirtschaftswachstum von 2%. Wenn die Welt diesen Weg beschreitet, dann werden wohl Aktien (und vielleicht auch Gold) am meisten davon profitieren, da die Inflation anziehen wird. Obligationen hingegen, insbesondere die Langläufer, werden schrecklich zu leiden haben.

Anleihen machen uns Sorgen. Momentan sind bereits Anleihen im Wert von 17,5 Billionen Dollar im negativen Renditebereich. Im Frankensegment sind jetzt sogar 50-jährige Obligationen unter Null getaucht. Zu einem bestimmten Zeitpunkt werden die Renditen steigen, was die Kurse nach unten treibt und viele Anleger schmerzen wird. Wir halten unsere Laufzeiten kurz und unsere Positionen sehr diversifiziert, um unsere Kunden vor möglichen Kursverlusten zu schützen. Alternative Anlagen haben sich in den Portfolios gut gehalten und in den vergangenen Turbulenzen etwas Stabilität verliehen.
– Text Peter Ahluwalia

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