Vermögensverwaltung: US-Zwischenwahlen und Populismus – swisspartners – The art of finance

US-Zwischenwahlen und Populismus

Die für den 6. November 2018 angesetzten Zwischenwahlen in den USA sind zweifellos ein wichtiger Faktor, der in den nächsten Wochen beobachtet werden sollte.

Meinungsumfragen können natürlich recht irreführend sein, da die von den Wählern geäusserten Absichten nicht immer zu einer Entscheidung führen, die tatsächlich ihren Weg in die Wahlurne findet. Wie üblich wird das Wahlergebnis stark davon abhängen, wie viele Republikaner und Demokraten motiviert genug sind, sich auf den Weg in die Wahllokale zu machen. Der Wettstreit zwischen den beiden gegnerischen Lagern wird zunehmend interessant, da scheinbar sowohl die Republikanische als auch die Demokratische Partei derzeit über eine ungewöhnlich stark engagierte Basis verfügen.

Bei näherer Betrachtung werden auf beiden Seiten drei populistische Themen deutlich: die Immigration, die Wahrnehmung, dass die von traditionellen Industrien geprägten Bundesstaaten des «Rust Belt» von den Eliten an der Ost- und Westküste zurückgelassen werden, und selbstverständlich die Gender-Politik.

Werden die Demokraten sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus eine Mehrheit erhalten?

Nach Einschätzung angesehener amerikanischer Kommentatoren besteht derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 60%, dass die Demokraten die Wahlen im Repräsentantenhaus gewinnen, während die Republikaner die Kontrolle über den Senat behalten dürften.

Die Finanzmärkte werden unmittelbar nach den Wahlen ihre Aufmerksamkeit darauf richten, ob Präsident Donald Trump durch die Ergebnisse zu Fall gebracht werden konnte. Wenn beispielsweise die Demokraten in beiden Kammern gewinnen, könnte sich die Partei ermutigt fühlen, ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten einzuleiten. Doch wie im Fall von Bill Clinton in den 90er-Jahren deutlich wurde, können Massnahmen zur Amtsenthebung auch gegenteilige Folgen haben und dazu führen, dass der Präsident von seinen Anhängern entschlossener denn je unterstützt wird.

Selbst wenn Trump wegen eines schwerwiegenden neuen Skandals angeklagt würde, könnte Mike Pence rasch an seine Stelle treten – und der Aktienmarkt könnte angesichts dieser Nachricht sogar zulegen, da der US-Vizepräsident als weniger sprunghaft gilt.

Demokraten – Warten auf eine Chance

Bei einem Blick auf die mögliche weitere Entwicklung bis zu den nächsten Präsidentschaftswahlen wird klar, dass Trump zunehmend schwer zu stoppen ist. Möglicherweise ist ein erfolgreiches Fernsehduell mit zahlreichen scharfsinnigen, bissigen Tiefschlägen gegen den Präsidenten oder aber ein neuer Skandal der Republikaner erforderlich, bevor die Demokraten das Gefühl haben, wieder etwas in Schwung zu kommen.

Ein Blick auf die aktuelle Liste der Präsidentschaftsanwärter in der Demokratischen Partei scheint die meisten Parteianhänger nur wenig zu begeistern.

Doch nicht alles ist für die amerikanische «Linke» verloren, denn die kalifornische Senatorin Kamala Harris ist bei den Wählern beliebt, und auch Überraschungen sind natürlich immer möglich. Schliesslich ist es gar nicht so lange her, dass ein nahezu unbekannter Barack Obama die Präsidentschaftswahlen gewann.

Brexit – Premierministerin May hat mehrere Eisen im Feuer

Die Brexit-Gespräche lassen derzeit verschiedene Anzeichen dafür erkennen, dass Grossbritannien einer Vereinbarung mit Europa zu den Bedingungen des EU-Ausstiegs näherkommt. Die Hoffnung auf einen erfolgreichen Vertragsabschluss ist deutlich sichtbar, da das britische Pfund in den letzten Wochen sowohl gegenüber dem US-Dollar als auch gegenüber dem Euro zugelegt hat.

Premierministerin May wird durch eine Reihe von renommierten Wirtschaftsexperten beraten, deren Namen der Öffentlichkeit teilweise nicht bekannt sind. Diese Berater verstehen jedoch das grundlegende Interesse von Politikern, die britische Wirtschaft in Schwung zu halten und wiedergewählt zu werden.

Falls sich abzeichnet, dass bis Ende des ersten Quartals 2019 keine Einigung erreicht wird, rechnen wir mit einer Abschwächung des britischen Pfunds. In diesem Stadium kann die Konservative Partei jedoch beschliessen, durch eine Reihe von Unternehmenssteuersenkungen zu ermöglichen, dass Grossbritannien in einer Welt mit allgemein niedrigen Steuersätzen überleben kann.

Dank seines stabilen Justiz- und Rechtssystems, das seit über 300 Jahren besteht, könnte sich das Land sogar zum nächsten wichtigen Offshore-Zentrum mit eigenen, unkomplizierten Vorschriften entwickeln.

Italien (etwas höhere Staatsausgaben)

Die neuen populistischen Parteien Italiens legen es auf einen Streit mit Brüssel an. Nach mehreren Jahren mit geringem Verbrauchervertrauen und schwachem Beschäftigungswachstum will die italienische Regierung die haushaltspolitischen Beschränkungen lockern, um die Staatsausgaben steigern zu können.

Wie üblich stellt sich die EU solchen Reformen entgegen, da ihr bewusst ist, dass jeder Schritt in diese Richtung die Renditen europäischer Anleihen in die Höhe treiben kann. Die Pläne Italiens sind für Anleger von hoher Bedeutung, da sie andere Länder verleiten könnten, ebenfalls neue Wege zu gehen.

Letztlich sind solche Massnahmen völlig verständlich, vor allem angesichts der schlechten Beschäftigungsaussichten für junge Italiener unter 25 Jahren, von denen viele in den letzten Jahren nach London und ins restliche Ausland abgewandert sind. Wie üblich könnte der Anleihenmarkt in diesem Fall das letzte Wort haben, und die meisten Politiker dürften den jüngsten Renditeanstieg bei italienischen Anleihen bereits wahrgenommen haben – als klares Warnsignal.

Subprime-Kredite (etwas geringeres Angebot)

Goldmann Sachs kündigte vor Kurzem Pläne an, seine Vergabe von ungesicherten Konsumkrediten etwas einzuschränken – möglicherweise ein Hinweis auf leicht verschärfte Bedingungen an den US-Kreditmärkten. In den letzten zwei Jahren hat das Unternehmen seine Erträge in diesem Bereich auf über 4 Mrd. US-Dollar gesteigert. Angesichts des Zinsanstiegs hat das Management jedoch möglicherweise das Gefühl, dass die amerikanischen Konsumenten 2019 unter Druck geraten könnten.

Fundamentaldaten versus Momentum

Die Kursrückgänge im Oktober deuten darauf hin, dass der Markt mehrere wichtige technische Unterstützungsniveaus erneut testen will. In der Finanzpresse verwiesen einige Kommentatoren rasch auf Fondsmanager, die in den vergangenen Jahren durch eine Kombination verschiedener Wachstums- und Momentumfilter beträchtliche Gewinne erwirtschaftet haben.

Bei einem Einsatz von Momentumfiltern wird häufig nach Unternehmen gesucht, bei denen steigende Aktienkurse mit einer fortlaufenden Erhöhung der Unternehmensgewinne einhergehen. Manager mit dieser Strategie verfügen in der Regel über ein solides Verständnis der technischen Unterstützungsniveaus, und selbstverständlich ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für viele Anleger nach wie vor ein entscheidender Faktor bei der Titelauswahl.

Wie ein Blick auf die verschiedenen Datenpunkte an den Aktienmärkten zeigt, scheinen sich einige der erfolgreichsten Anleger zu fragen, ob der fortgesetzte KGV-Anstieg noch zu rechtfertigen ist, selbst wenn er sich auf ein starkes Wachstum stützt. Einfach ausgedrückt: In bestimmten Sektoren liegt das KGV und selbst das Kurs-Gewinn-Wachstum-Verhältnis (PEG) einiger Unternehmen deutlich über der Bandbreite der letzten zehn Jahre.

Unseres Erachtens sollten sich die Marktteilnehmer von der Erwartung verabschieden, dass bestimmte Konzerne immer weiterwachsen, und sich stattdessen stärker auf die Abweichungen vom langjährigen Durchschnitt konzentrieren.

Geschrieben von:
Alan Kinnaird | Senior Portfolio Manager, Partner